HOLUNDER

Frohlunder

Frphlunder-Limo-Bio-Brause

Frohlunder ist ein Holunderblütenerfrischungsgetränk, das aus hochwertigen, natürlichen und korrekt hergestellten Zutaten besteht. Durch seinen deutlich geringeren Zuckergehalt ist Frohlunder keine Limonade, sondern ein Erfrischungsgetränk. Die Holunderblüten werden in Süddeutschland von Hand gepflückt und verarbeitet. Wichtig bei der Verarbeitung der empfindlichen Holunderblüten ist, dass so viel Handarbeit wie möglich zum Tragen kommt. So erhalten wir einen hochwertigen Sirup von bester Qualität. Frohlunder ist bio-zertifiziert.

Zutaten

Frohlunder besteht aus Wasser, Bio-Holunderblütenauszug (Wasser, Bio-Zucker, Bio-Zitronensaft, Bio-Essig, Zitonensäure & Bio-Holunderblüten) sowie Kohlensäure.

VEGAN

Das offizielle Verbandslogo kostet Geld, leistet aber leider keinerlei Kontrolle, also haben wir ein eigenes gebaut. Frohlunder ist vegan. Jedoch wird das Etikett aus Mangel an Alternativen (heiße Abfüllung) mit caseinhaltigem Kleber befestigt.

Ampelkennzeichnung

Frohlunder enthält Zucker – wenn auch nicht so viel wie bei Limonade. „Normale“ Hersteller tricksen auch gerne mal – deshalb empfehlen u.a. Verbraucherzentralen und Foodwatch über die Angabe des GDA hinaus pauschal eine Ampelkennzeichnung für Lebensmittel, was wir für eine sinnvolle Sache halten und unsere deshalb hier freiwillig veröffentlichen. (Auf den Etiketten wollten wir zuerst „Ampelfarbe rot“ schreiben, weil der Farbdruck viermal teurer als s/w ist und eine Preiserhöhung nötig machen würde – nach intensiven Diskussionen wurde es ein Link auf unsere Zucker-Infoseite)

Glutenfrei

Auch dieses Logo würde in offiziell Geld kosten, aber keinerlei Kontrolle leisten, also haben wir ein eigenes gebaut.

Wasser

Gutes Wasser ist die Grundlage von Frohlunder. Wir verwenden reines Quellwasser und Grundwasser aus dem Nördlinger Ries und dem bayerischen Ries, in wechselnden Anteilen je nach Verfügbarkeit. Lieferant ist ein nur 850 Meter von unserem Abfüller entferntes Wasserwerk, das völlig ohne Chlor-Desinfizierung auskommt – eine UV-Lichtanlage reicht. Außerdem entspricht das Wasser natürlich der gültigen Trinkwasserverordnung ab dem Jahr 2001 und damit der Norm DIN 2000 sowie der EU-Trinkwasserrichtlinie. Die Mitarbeiter:innen des Werks wohnen auch selbst in dem Ort, der komplett von dem Werk versorgt wird – sowas nennt man wohl intrinsische Motivation. Interessantes Detail: die oben genannte Trinkwasserverordnung gilt nicht für Mineral- und Heilwässer.

Bio-holunderblütenauszug

Der Bio-Holunderblütenauszug besteht aus Wasser, Bio-Zucker, Bio-Zitronensaft, Bio-Essig, Zitonensäure und Bio-Holunderblüten.

WASSER 

Die Produktionsstätte des Holunderblütenwunders liegt südlich von Tübingen im Stadteil Weilheim. Aus diesem Grund stammt das Wasser im Tübinger Holunderblütenwunder aus der Trinkwasserversorgung der Stadt Tübingen. Die meisten Gemeinden im Versorgungsgebiet der Stadtwerke Tübingen erhalten von diesen einen Wassermix aus ca. 75% Bodenseewasser und ca. 25% lokalem Grundwasser. So kann ein optimaler Weichegrad des Wassers garantiert werden. Die Schadstoffbelastung liegt weit unter den nach der Trinkwasserverordnung zulässigen Grenzwerten und ist uneingeschränkt für alle Verwendungen geeignet. Mehr Informationen zum Tübinger Wasser können hier gefunden werden.

ZUCKER

Für den Frohlunder des 2011er-Jahrgangs haben wir konventionellen Weißzucker (der auch als normaler Haushaltszucker bezeichnet wird) verwendet. Ab dem 2012er-Jahrgang sind wir jedoch auf Bio-Zucker aus in Deutschland angebauten Rüben umgestiegen. Der Zuckergehalt von Frohlunder ist deutlich niedriger als bei vergleichbaren Getränken. Dies würden wir auch gerne aufs Etikett drucken, doch würde uns die deutsche Vorschriftenwelt in diesem Fall vorschreiben gleich eine ganze Nährwerttabelle mit aufs Etikett zu nehmen. Dies wollen wir aus drei Gründen nicht:

1. Das bewusst sehr schlicht gehaltene Design soll beibehalten werden.
2. Auf der Rückseite der Frohlunder-Etiketten wird es ab dem nächsten Etikettendruck Kunst zu sehen geben.*
3. Alle relevanten Informationen zu den Inhaltsstoffen sind jederzeit auf unserer Internetseite einsehbar.

*Der Kunstdruck ruht aus finanziellen Gründen derzeit.

Ab Ende 2016 wird das Abdrucken einer Nährwerttabelle jedoch ohnehin Pflicht, mehr dazu siehe hier. Der (zu) niedrige Zuckergehalt ist übrigens auch der Grund dafür, dass wir Frohlunder nicht als Limonade bezeichnen dürfen. Trotzdem ist vielen Frohlunder-Fans unser Holunderblütengetränk noch zu süß, immerhin entspricht die Zuckermenge pro Flasche 7,43 Stück Würfelzucker. Das wollen wir ernst nehmen und überlegen zur kommenden Saison den Zuckergehalt zu senken.

ZITRONENSAFT

Für die Abfüllung 2012 sind wir von einem konventionellen Zitronensaft aus Konzentrat auf einen naturtrüben Bio-Direktsaft umgestiegen. Obwohl der konventionelle Zitronensaft eine stärkere Konzentrierung aufweist, schmeckt der Direktsaft bei vergleichbarer Säure deutlich stärker nach Zitrone, was sich, wie wir finden, positiv auf den Geschmack unserer Frohlunder auswirkt.

ESSIG

Hierbei handelt es sich um einen durch Fermentation hergestellten, neutral schmeckenden, klaren Bio-Branntweinessig.

ZITRONENSÄURE

Zitronensäure (E 330) wird heutzutage in einem biotechnologischen Verfahren mit Hilfe von Mikroorganismen aus zuckerhaltigen Substraten wie Melasse oder aus Mais gewonnener Glucose hergestellt. Hierbei werden bestimmte Stämme des Schimmelpilzes Apergillus niger zum Stoffwechsel angeregt und bilden dabei die Zitronensäure. Dieser Prozess findet auch in allen anderen luftatmenden Organismen statt und nennt sich Citratzyklus. Im letzten Schritt des Verfahrens wird die Zitronensäure schließlich abgetrennt und gereinigt. Die klassische Form der Zitronensäuregewinnung aus Zitrusfrüchten ist inzwischen wirtschaftlich kaum noch von Bedeutung, was neben dem größeren Aufwand dieser Methode auch darauf zurückzuführen ist, dass die so gewonnen Stoffe chemisch identische sind.

Für die Herstellung herkömmlicher Zitronensäure werden heute häufig gentechnisch veränderte Mikroorganismen eingesetzt, welche „auf Leistung getrimmt“ besonders viel Zitronensäure produzieren. Die von uns verwendete Zitronensäure wurde unter Verzicht solcher gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt. Da keine gentechnisch veränderten Mikroorganismen oder Bestandteile enthalten sind, könnte diese Zitronensäure auch als Zutat „nichtlandwirtschaftlichen“ Ursprungs für die Herstellung von Bio-Lebensmitteln verwendet werden (VO (EWG) Nr. 2092/91, Anhang VI).

Zitronensäure hat durch ihren sehr niedrigen pH-Wert und vor allem in Verbindung mit Zucker die Eigenschaft, die Bildung von Karies zu fördern. Der regelmäßige Genuss großer Mengen zitronensäurehaltiger Erfrischungsgetränke, wie zum Beispiel Frohlunder, kann die Entstehung von Zahnschäden begünstigen, muss aber nicht. Weitere Informationen zum Thema Zahngesundheit und wirksamer Zahnpflege gibt es deshalb hier.

HOLUNDERBLÜTEN

Die bisher verwendeten Holunderblüten wurden von unserem Kooperationspartner in und um Tübingen und Stuttgart wild gesammelt. Im Zuge unserer Umstellung auf Bio haben wir uns für die Produktion 2012 für den Zukauf von Bio-Blüten von einem Landwirt aus Kassel entschieden, was offensichtlich einen Transport von Kassel nach Tübingen verursacht.

Da die Holunderblüten als Zutat im Vergleich jedoch nur einen sehr kleinen Anteil am Gesamtgewicht des fertigen Produkts ausmachen, hat deren Transport von Kassel nach Tübingen auch nur einen relativ kleinen Einfluss auf die gesamte CO2-Bilanz. Nach ein bisschen Rechnen sind wir der Meinung, dass die Blüten aus Kassel, inklusive deren Transport nach Tübingen, weniger Treibstoff verbrauchen als die, die wir in und um Tübingen wild sammeln würden. Dies ist hauptsächlich dadurch bedingt, dass für die Wildsammlung häufig PKWs eingesetzt werden.

Kohlensäure

Kohlensäure bezeichnet die in Wasser gelöste Form von CO2. Um also ein Getränk/Wasser zum Sprudeln zu bringen, wird unter Druck CO2 zugeführt. Unseres kommt von einem Werk 131 km entfernt von unserem Abfüller in Nördlingen, bzw. 137 km entfernt von unserem Abfüller in Lenzkirch. Für Neugierige hier noch der Kohlensäure-Gehalt des Frohlunders: ca. 1,66 g je 0,33er-Flasche (ca. 5g pro Liter).

Nährwerte

Nährwert- und Brennwertangaben je100 ml0,33 l-Flasche
Brennwert109 kJ360 kJ
26 kcal86 kcal
Eiweiß< 0,1 g< 0,1 g
Kohlenhydrate6,2 g20 g
- davon Zucker6,2 g20 g
Fett< 0,5 g1,5 g
- davon gesättigte Fettsäuren< 0,1 g< 0,1 g
Ballaststoffe< 0,1 g< 0,1 g
Natrium< 0,1 g< 0,1 g

Wie unsere geliebte Premium-Cola enthält auch Frohlunder jede Menge Zucker. Wir befinden uns mit 6,2 g/100 ml zwar noch knapp unterhalb des Werts (7 g/100 ml) um uns offiziell Limonade nennen zu dürfen, sind damit aber nichtsdestotrotz (je nach konsumierter Menge) eher in ungesundem Territorium angelangt. Besonders das Zusammenspiel von Zucker und Säure, welche in unserem Getränk auch reichlich vorhanden ist, kann sich negativ auf eure Zahngesundheit auswirken.

Verpackung

Alle Details zur den Komponenten unserer Verpackung findet ihr hier.

Herstellung

In Folgendem wollen wir euch in guter alter „Sendung mit der Maus“-Manier die Entstehung einer Flasche Frohlunder erläutern.

Frohlunder besteht aus einer Flasche, einem Etikett, einem Kronkorken und natürlich dem Inhalt. Der wiederum besteht aus Holunderblütenauszug, Wasser und Kohlensäure. Den Holunderblütenauszug bekommen wir von einem Freund aus Tübingen, der heißt Roberto.

Roberto arbeitet schon seit über 30 Jahren mit Holunderblüten. Angefangen hat er mit einer Badewanne, heute besitzt er eine eigene Produktionshalle hinter seinem Haus, mehrere große Wannen, Abfüllmaschinen und einen Lagerraum. Eine Firma hat er auch, das Tübinger Holunderblütenwunder. Schön blumig, wie es sich eben für eine Firma, die Holunderblüten verarbeitet, gehört. Außerdem gibt es noch ein paar Leute, die für ihn arbeiten. Die helfen ihm unter anderem beim Pflücken und Abfüllen.

Seinen Holunderblütenauszug macht Roberto so:

Ersteinmal müssen natürlich Holunderblüten her. Die gibt es im Frühjahr für etwa drei bis vier Wochen um den Monat Juni herum. Die Blüten werden entweder bei einem Bio-Bauern in der Nähe gekauft oder, wie Roberto das hauptsächlich macht, von Holunderbüschen gepflückt, die entweder wild wachsen oder von befreundeten Landwirt:innen als Hecken zwischen ihre Felder gepflanzt wurden. Das heißt, eigentlich pflückt Roberto gar nicht (mehr) selbst, weil er dummerweise gegen die Blütenpollen des Holunders allergisch ist – das macht aber nichts, dafür hat er ja seine Angestellten. 😉

Alle Mitarbeiter:innen treffen sich jeden Morgen beim Roberto, trinken Kaffee und schauen gemeinsam auf ihre Landkarten. Dabei werden Erfahrungen über die Bestände ausgetauscht und abgemacht, welches Team an diesem Tag an welchen Stellen pflücken wird. Die Teams umfassen in der Regel 1 bis 4 Personen; das hängt davon ab, ob sie mit Fahrrädern oder dem Auto unterwegs sind. Ausgestattet mit Pflückhaken sowie einigen Jutebeuteln kann es schließlich losgehen. Die Pflückhaken helfen dabei Äste soweit herunterzuziehen, dass auch höher gelegene Blüten abgezupft werden können. Dabei sollte es jedoch tunlichst vermieden werden einen so heruntergebogenen Ast abzubrechen – denn wer Holleräste abbricht, wird von Frau Holle direkt in die Hölle geschickt … die Alliteration ist kein Zufall, also Vorsicht!

Sobald die Blüten dann in der Produktionshalle angekommen sind, müssen sie so schnell wie möglich weiterverarbeitet werden. Für den Holunderblütenauszug werden große Plastikwannen vorbereitet, die als erstes mit Wasser befüllt werden. Anschließend kommen die restlichen Zutaten dazu, also Zitronensaft, Essig, Zitronensäure und Zucker. Damit der Zucker sich auflöst, muss kräftig gerührt werden. Als letztes kommen die Blüten dazu.

Nachdem das Ganze über Nacht stehen gelassen wurde, werden die Blüten am nächsten Tag wieder herausgeholt – und um auch ja keinen Tropfen zu verschwenden werden sie noch ordentlich ausgepresst. Übrigens, in der Wanne, die ihr hier seht, befinden sich 500 Liter Holunderblütenauszug – das reicht für acht Paletten Frohlunder oder 320 Kästen oder 7680 Flaschen.

Der Geschmack und der Geruch der Blüten sind jetzt in den Holunderblütenauszug übergegangen. Das Verfahren heißt „kalter saurer Auszug“ und funktioniert so ähnlich wie Teekochen. Während beim Teekochen die Aromen allerdings durch das heiße Wasser aus den Blüten gelöst werden, ist beim kalten Holunderblütenauszug die Säure dafür verantwortlich. Das heißt, im Holunderblütenauszug sind nur noch die Aromastoffe sowie jede Menge Blütenpollen des Holunders vorhanden.

Die ausgepressten und ausgelaugten Blüten kommen am Ende in die Biogasanlage vom Nachbarn. Der freut sich, weil die Blüten noch ganz zuckrig sind – und das mögen die Bakterien in seiner Anlage ganz besonders. Bevor der Holunderblütenauszug zu unserem Abfüllbetrieb gefahren wird, wird er noch gefiltert, um auch die letzte kleine Blüten sowie andere kleine Schwebeteilchen herauszubekommen.

Im Abfüllbetrieb wird der Holunderblütenauszug mit Wasser gemischt, in Flaschen gefüllt und mit Kohlensäure versetzt. Anschließend werden die Flaschen mit Kronkorken verpfropft und mit Etiketten beklebt. Um die Flaschen haltbar zu machen, werden sie noch für eine gewisse Zeit erhitzt – und fertig ist der Frohlunder!

Preiskalkulation

Mit dieser Grafik machen wir die Kalkulation unserer Preise transparent:

Die Preiskalkulation schlüsselt auf, wie der Preis einer Flasche Frohlunder zustande kommt.

Die Grafik zeigt beispielhaft, wie sich der Preis einer 0,3-Liter-Flasche entlang der Vertriebskette zusammensetzt. Sie macht transparent, zu welchem Preis die Flasche von einer Stufe an die nächste weitergegeben wird – von den Abfüller:innen über den Handel bis zu den Gastronom:innen.

Für jede Station ist der jeweilige „Anteil“ ausgewiesen, der bei der weitergebenden Stelle verbleibt. So wird nachvollziehbar, wie sich der Preis entlang der gesamten Wertschöpfungskette verteilt.

Die dargestellten Preise für Großhändler:innen, Händler:innen und Gastronom:innen sind Beispielkalkulationen. Sie können je nach Betrieb etwas abweichen. Den Verkaufspreis gegenüber den Kund:innen legen die Händler:innen bzw. Gastronom:innen selbst fest.

Mit dieser Darstellung möchten wir nachvollziehbar machen, wie unsere Preisgestaltung funktioniert und wie sich die Erlöse innerhalb der Vertriebskette verteilen.

Hier gibt es noch mehr Infos rund um das Thema „Holunder“ zu entdecken

Holunder (Sambucus) ist eine Gattung der Familie der Moschuskrautgewächse (Adoxaceae), welcher wiederum mehrere Arten angehören. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezieht sich die Bezeichnung Holunder meist auf den Schwarzen Holunder (Sambucus nigra), welcher gleichzeitig die mit Abstand häufigste Art darstellt und auch diejenige ist, die wir für unseren Frohlunder verwenden. Im Folgenden wird der Einfachheit halber Holunder als Bezeichnung verwendet.

Holunder ist eine der häufigsten Straucharten in Mitteleuropa. Darüber hinaus findet er in Westsibirien, dem Kaukasus, Kleinasien und Nordafrika Verbreitung. Geringe Ansprüche an Standorte, schnelles Wachstum und ein relativ kurzer Generationswechsel ermöglichen eine schnelle Verbreitung und machen Holunder zu einer typischen Pionierpflanze. So besiedelt er häufig sogenannte Ruderalflächen. Darunter werden Standorte verstanden, welche gerade anfangen nach einem störenden Ereignis zu verwildern. In urbanen Umgebungen findet man Holunder häufig auf ungenutzten Abbruchflächen (Industriebrachen) und entlang von Straßen, jedoch auch als Zierbaum in Parks und Gärten. Auf dem Land ist er häufig auf Sturmholz- oder Rodungsflächen im Wald sowie entlang von Wegen und an Waldrändern anzutreffen. Darüber hinaus steht Holunder auch oft an Häusern und in Vorgärten. Vor allem an Einsiedlerhöfen wurde er in früheren Zeiten gepflanzt, weil ihm nachgesagt wurde, er könne Böse Geister fern halten.

MEDIZINISCHE ANWENDUNG

Holunderbeerensaft, Holunderbeeren und Tees aus Rinde und Blütenständen gelten als probate Hausmittel gegen Erkältung, Nieren- und Blasenleiden sowie zur Stärkung von Herz und Kreislauf und finden bis heute Anwendung (Palov 1979). Als wirksame Substanzen gelten das in hohen Konzentrationen in den Beeren vorkommende Vitamin C sowie Vitamin B, diverse Fruchtsäuren, ätherische Öle und vor allem auch der Farbstoff Sambucyanin. Das Sambucyanin befindet sich hauptsächlich in den Schalen der Beeren und gehört zu der Gruppe der Flavonoide. Es wird angenommen, dass diese Proteine aufgrund ihrer Eigenschaft als Radikalfänger (die Fähigkeit, freie Radikale zu binden) einen signifikanten Einfluss auf die Gesundheit des Menschen haben (Hänsel 2009). Neben ihrer daraus resultierenden, antioxidativen Eigenschaften ist aber wohl auch ihre Fähigkeit, bestimmte Enzyme zu hemmen und verschiedenste Zelltypen des Immunsystems zu aktivieren, medizinisch relevant. Die beiden letzten Eigenschaften sind etwa für die entzündungshemmende Wirkung von Flavonoiden verantwortlich (Hänsel 2009).

HOLUNDER ALS NAHRUNGSMITTEL

Neben der Herstellung von Holunderblütensirup lassen sich noch weitere Köstlichkeiten aus dieser vielseitigen Pflanze herstellen. Im Folgenden untergliedert nach Pflanzenteilen:

BLÜTEN

SIRUP

Der Sirup lässt sich natürlich auf unterschiedlichste Art und Weise weiterverarbeiten. Durch das Einkochen mit einem Geliermittel erhält man zum Beispiel ein Gelee. Mit einer Eismaschine ist es außerdem möglich ein leckeres Holunderblütensorbet herzustellen. Schließlich sind der Fantasie bei der Verwendung von Holunderblütensirup als Zutat beim Kochen sowie beim Mixen von Drinks keine Grenzen gesetzt.



SEKT

Im Allgemeinen wird unter der Bezeichnung Holunderblütensekt ein Mischgetränk aus Sekt und einem Schuss Holunderblütensirup verstanden. 
Es ist allerdings auch möglich aus Blütensirup als Ausgangsprodukt einen Sekt herzustellen. Dazu wird der Sirup je nach Temperatur für ein paar Tage offen stehengelassen. Sobald die Gärung größtenteils abgeschlossen ist, wird er luftdicht verschlossen und dunkel gelagert.

Hier ein Rezept zum Selbermachen und hier ein Beispiel für einen professionellen Anbieter von Holunderblütensekt.

TEE


Die ätherischen Öle mit ihren Aromakomplexen wirken leicht schweißtreibend und schleimlösend. Auch bei Magenbeschwerden wird Holunderblütentee in der Hausmedizin erfolgreich angewandt. Die getrockneten Blüten werden als Flores sambuci in Drogerien und Apotheken angeboten.

HOLLERKÜCHLE


In Pfannkuchen- oder Bierteig getauchte und anschließend fritierte oder in der Pfanne ausgebackene Holunderblütendolden werden Hollerküchle, Holunderpfannekuchen, Holunderküchle oder Hollerschöberl genannt.

BEEREN

SAFT / SIRUP


Die reifen Holunderbeeren können zu einem Saft verarbeitet werden. Dazu benutzt man am besten einen Dampfentsafter. Versetzt man den entstandenen Saft mit Zucker, erhält man einen sehr geschmackvollen Sirup. Ungezuckert wird er auch Muttersaft genannt. 
Achtung: Die Kerne der Beeren enthalten einen Stoff namens Sambunigrin (nicht verwechseln mit Sambucyanin), aus welchem sich Blausäure entwickeln kann. Sambunigrin zerfällt beim Erhitzen – wenn ihr also keinen Durchfall bekommen wollt, bitte die Beeren oder den Saft immer abkochen.



GELEE


Wie aus allen Säften kann auch aus Holunderbeerensaft durch Einkochen und unter Zugabe von Zucker und einem Geliermittel ein Gelee hergestellt werden.

STAMM

HOLUNDERRINDEN-TEE


Dieser Tee wird traditionell eingesetzt bei rheumatischen Erkrankungen und Verstopfung. Darüber hinaus gilt er als stark harntreibend, weshalb er auch zur Reinigung der Nieren Verwendung findet.

JUDASOHR

Vor allem auf den Stämmen alter, bzw. abgestorbener Holunderbäume findet sich häufig ein in Form und Konsistenz an eine Ohrmuschel erinnernden Pilz. Seinen Namen verdankt er der Legende, dass sich Judas, nachdem er Jesus verraten hat, an einem Holunderbaum erhängt haben soll. 
Unter dem Namen Chinesische Morchel oder Mu-Err-Pilz ist er in der asiatischen Küche sehr verbreitet. Im Handel wird er meist in getrockneter Form angeboten.


MYTHEN UND LEGENDEN

Um die Pflanze Holunder ranken sich zahlreiche Mythen und Legenden. In deutschsprachigen und englischsprachigen Ländern sowie in Skandinavien war bis ins 19. Jahrhundert der Volksglaube an eine im Holunderbaum wohnende Frau (Ellhorn/Hollermutter, Elder Mother bzw. Hyldemoer) sehr verbreitet. Das Abbrechen eines Pflanzenteiles ohne diese Frau um Erlaubnis zu fragen brachte großes Unglück. In der germanischen Mythologie spielte Holunder ebenfalls eine Rolle. So ist es wahrscheinlich, dass eine etymologische Verwandtschaft zwischen dem Wort „Holunder“ und der germanischen Erd- und Unterweltgöttin Hel – Hella – Holle – Holda besteht. Sie galt als das Urbild des Guten, Fruchtbaren, Gerechten und Mütterlichen (Göttner-Abendroth 1993). Als Frau Holle taucht sie in dem gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm wieder auf.

Einen Teil seiner magischen Aura verdankt Holunder außerdem seiner wohl schon bis in vorgeschichtliche Zeiten zurückreichenden medizinischen Anwendungen.

Die folgende Auflistung verschiedener Anschauungen rund um den Holunder sowie von Eigenschaften, welche ihm im Laufe der Zeit zugeschrieben wurden und werden, resultiert aus persönlichen Gesprächen mit Menschen, die wir beim Pflücken von Holunderblüten getroffen haben, aus diversen Internetquellen und aus dem Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens von Hanns Bächtold-Stäubli.

*  Verdorrt ein Holunderbaum, zeigt das den Tod eines Familienmitgliedes an.

*  Ein Holunderbaum am Haus schützt vor bösen Geistern und Blitzschlag.

*  Das Abbrechen eines Holunderastes bringt großes Unheil.

*  Im Mittelalter herrschte die einhellige Meinung, dass Holunder mit bösem Zauber in Verbindung stehe. So galt das Holunderholz als Wohnsitz von Geistern und Gespenstern. Um diesen keinen Zugang zu den Häusern zu verschaffen, wurden zu jener Zeit keine Möbel aus Holunderholz hergestellt.

*  In Irland glaubten die Menschen, dass das Holz von Hexenbesen aus Holunder sein müsse, weil der Pflanze eine zwielichtige Beziehung zu Hexen und Dämonen nachgesagt wurde.

*  Der Elderstab, das Heiligtum des Todes aus Harry Potter, ist nichts anderes als ein Zauberstab aus Holunder.

*  Hollerbüsche beherbergen wohlgesinnte Hausgeister, was zu folgendem Spruch führte „Vor dem Hollerbusch muss man seinen Hut ziehen.“

*  Unter einem Holunderbusch ist man vor Schlangenbissen und Insektenstichen sicher.

*  Holunder ist ein Abwehrmittel gegen Hexen und schwarze Magie.

*  Der unangenehme Geruch des Laubes soll daher kommen, dass sich Judas an einem Holunderbaum erhängt hat.

*  Vor die Stalltür gepflanzt, bewahrt er das Vieh vor Zauberei. Daher sollen auch Türriegel aus Holunderholz gemacht werden (Bächtold-Stäubli 2006).

*  „Unkeuschen“ Mädchen steckt man in Thüringen zu Pfingsten Holunderzweige vor das Fenster (Bächtold-Stäubli 2006).

*  „Auf Johannistag blüht der Holler – da wird die Liebe noch toller“ heißt es im Thüringer Wald (Bächtold-Stäubli 2006).

*  Holderstock ist ein Kosename für die Geliebte (oder den Geliebten) (Bächtold-Stäubli 2006).

*  In Tirol besteht die Sitte, dass bei Begräbnissen dem Sarg ein Holunderkreuz, Lebelang genannt, vorangetragen wird. Wird es wieder grün, so ist der Tote selig (Bächtold-Stäubli 2006).

*  Als Todesvorzeichen (für ein Familienmitglied) gilt, wenn ein Holunderbaum zur gleichen Zeit Blüten und Beeren trägt (Mittelschlesien) (Bächtold-Stäubli 2006).

*  „Wenn man sich unter einen blühenden Holunder legt, ist man bis zum anderen Morgen tot.“ Hier findet sich ein vielleicht etwas übertriebener Ausdruck für die Tatsache, dass der starke Duft des Holunders auf die Dauer Kopfschmerzen verursachen kann (Bächtold Stäubli 2006).

*  Wenn Holunder Blüte und Frucht zugleich trägt, ist ein strenger Nachwinter zu erwarten (Bächtold-Stäubli 2006).

*  Besonders eignet sich Holunder zum „Übertragen“ von Krankheiten. Gegen Fieber bindet man in der Nacht bei abnehmenden Mond einen Bindfaden um einen Holunder, der auf der Scheid (Grenze) steht, und spricht: „Guten Morgen, Herr Flieder – Ich bringe dir mein Fieber – Ich binde dich an – Nun gehe ich in Gottes Namen davon“ (Bächtold-Stäubli 2006).

*  In Österreich und Süddeutschland wurden Hautkrankheiten des Viehs durch einen Sympathiezauber mit Holunder behandelt. Dazu wurden bei Sonnenuntergang drei Triebe des Holunders abgebrochen. Dabei rief man den Namen des kranken Tiers. Die Holundertriebe hängte man in den Kamin und lies sie verdorren. Sobald die Triebe verdorrt waren, sollte auch die Hautkrankheit geheilt sein (Marbach 2011).

*  An die Zweige des Holunders wurden früher eitrige Wundverbände gehängt, in der Hoffnung, dass der Holunder die Krankheit in die Unterwelt ableiten würde (Marbach 2011).

*  Junge Mädchen schüttelten am 3. Juli, dem Thomas-Tag, einen Holunderbusch während des Abendläutens kräftig durch. Die Richtung aus der der nächste Hund bellte, sei auch die Richtung aus der der spätere Ehemann des Mädchens kommen würde (Marbach 2011).

*  In Schweden heißt es, dass man den Elfenkönig und sein Gefolge sehen kann, wenn man sich bei Sonnenuntergang in der Mittsommernacht unter einen Holunderbaum setzt. (Marbach 2011).

*  In Nordeuropa wurden Verstorbene noch vor gar nicht allzu langer Zeit auf Holunderzweige gebettet (Marbach 2011).




QUELLEN

Aichele, D. und  H.-W. Schwegler (2004): Die Blütenpflanzen Mitteleuropas.Verlag Franckh- Kosmos, Stuttgart.

Bächtold-Stäubli, H. (Hrsg.) (2006): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. W. de  Gruyter, Berlin.

Fukarek, F. (Hrsg.) (2000): Die große farbige Enzyklopädie Urania-Pflanzenreich. Verlag  Urania, Freiburg.

Göttner-Abendroth, H. (1993): Die Göttin und ihr Heros. Frauenoffensive, München.

Hänsel, O., Sticher O. (Hrsg.) (2009): Pharmakognosie. Phytopharmazie. Springer,  Heidelberg.

Marbach, E. (2011): Holunder – Magische Verwendung. 

(http://heilkraeuter.de/lexikon/holunder/magie.htm, 24.10.2011)

Palow, M. (1979): Das große Buch der Heilpflanzen. Weltbild, München.

Pirc, H. (2004): Bäume von A- Z: Erkennen und verwenden. Ulmer, Stuttgart.

Schütt, P. (Hrsg.) (2006): Enzyklopädie der Sträucher. Nikol, Hamburg.

WEITERFÜHRENDE LITERATUR

Bühring, U. (2007): Alles über Heilpflanzen. Ulmer, Stuttgart: S. 122ff.

Chevallier, A. (1998): Enzyklopädie der Heilpflanzen. BLV, München.

Fleischhauer, S. F. (2003): Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen. AT Verlag, München:  S.302-303.

Mayer, E. (2001): Wildfrüchte, – gemüse, -kräuter. Leopold Stocker Verlag, Stuttgart:  S.77ff.

Recht, C. und M. F. Wetterwald (2002): Ernte am Wegrand. Ulmer, Stuttgart: S.75ff.

Wichtl, M. (Hrsg.) (1989): Teedrogen. Ein Handbuch für die Praxis auf  wissenschaftlicher Grundlage. Wiss. Verl.-Ges. Stuttgart: S.239ff.